Röhrenverstärker

Röhrenamps – erdig, sensibel, heiss!

Bei einem Röhrenverstärker werden zur Signalverstärkung, also dem „stärker machen“ und damit „lauter machen“ des geringen Signalpegels der aus dem Gitarrenpickup kommt, analoge Röhren eingesetzt.

Das ist eine Technologie, die Mitte des letzten Jahrhunderts völlig normal war – jeder kennt wohl noch die Röhrenradios der 1950er Jahre. Eigentlich ist ist diese Verstäärkertechnik mittlerweile überholt. Nicht jedoch bei uns Gitarristen … .

Röhrentechnik = veraltet?

Aber einen Schritt zurück: Warum gilt die Signalverstärkung mit Röhren eigentlich fast überall als veraltet?

Nun, Röhren werden wie Glühbirnen heiß. Sehr heiss. Sie vergeuden also einen Großteil der benötigten Energie als Abwärme. Ausserdem sind die rundherum benötigten Bauteile sehr schwer – Röhrenverstärker wiegen also immer unglaublich viel.

Und zu allem Überfluss ist die Haltbarkeit von Röhren auch noch sehr begrenzt. Spätestens nach ein paar Jahren geben sie den Geist auf … entweder nach und nach, oder auch mal plötzlich. Eben genauso wie eine Glühbirne.

Warum sind Röhrenverstärker bei Gitarristen so beliebt?

Tja, nach so viel negativer Vorrede – warum sind Röhrenverstärker für Gitarristen denn noch immer so etwas wieder heilige Gral?

Es ist der Klang!

Wenn man einen Röhrenverstärker etwas übersteuert, also mit etwas zu viel Eingangssignal füttert, dann produziert er Verzerungen. Erst ganz leicht, und mit steigendem Eingangssignal immer mehr.
Bei einem Röhrenverstärker sorgt diese langsam ansteigende Übersteuerung für einen sehr warmen, leicht angerauten Ton, der einfach wunderbar zum Gitarrenton passt. Besonders, wenn man ihn ganz bewusst einsetzt:

Ein (guter!) Röhrenverstärker reagiert so sensibel auf das Eingangssignal, dass man mit dem Lautstärkeregler und sogar der Stärke des Saitenanschlags die Menge der Verzerrung steuern kann. Mann kann also ungeheuer dynamisch spielen, und in einem Solo mit steigenden Emotionen den Sound immer „dreckiger“ klingen lassen.

Das ist toll, klingt prima, macht Spaß, fühlt sich gut an – und man bekommt es nur mit einem Röhrenamp so wirklich gut hin.

Man muss allerdings sagen, dass sowohl Transistorverstärker, als auch besonders Digitalverstärker in den letzten Jahren klanglich enorm zugelegt haben. Auf Aufnahmen ist es oftmals nicht wirklich möglich, im Nachhinein zu unterscheiden, ob eine Gitarre mit einem Röhrenverstärker oder digital eingespielt wurde.

Hier kommt allerdings noch ein anderer Aspekt der Röhrenverstärker zum Tragen: Das Spielgefühl.
Jawohl, man mag es erstmal gar nicht glauben, aber es macht von Gefühl her einen Unterschied, ob man mit einem Digitalverstärker spielt, oder einen Röhrenverstärker.

Es dürfte also noch eine ganze Weile so bleiben, dass Röhrenverstärker für Gitarristen eine sehr attraktive Sache sind.

Auch wenn man vielleicht als „gigging Musician“, also als Gitarrist, der viele Auftritte hat, im Alltag auf einen leichten Digitalverstärker zurückgreift, um den rücken zu schonen. Am Sonntag wird dann der Röhrenamp angeworfen 🙂

Einige Regeln beim Umgang mit Röhrenverstärkern

Damit man mit einem Röhrenamp möglichst Lange Spaß hat, sollte man einige Regeln im täglichen Gebrauch beherzigen:

  • Röhrenamp haben meist zwei Schalten, einmal „An/Aus“, und „Standby“. Nachdem Du Deinen Röhrenamp mit „An/Aus“ angeschaltet hast, musst Du ihn erst einige Minuten aufwärmen lassen. Erst dann schaltest Du ihn mit dem „Standby“ wirklich „laut“. Der erste Schalter schaltet die Heizung der Röhre ein, der zweite gibt Hochspannung drauf. Wenn man zwischen beiden Schaltern etwas wartet, verlängert das die Lebensdauer der Röhren.
  • Lass Deinen Röhrenverstärker unbedingt nach dem Spielen abkühlen, ehe Du ihn in winterliche Temperaturen nach draussen bringst. Zumindest, wenn Du kein Hardcase besitzt, welches den Amp von der Aussenwelt abschirmt.
  • Ähnlich wie Glühbirnen keine starken Erschütterungen mögen, reagieren auch die Röhren in einem Tube-Amp möglicherweise verschnupft, wenn man zu grob mit ihm umgeht. Sie sterben dann früher als nötig.  Besonders, wenn sie noch warm sind. Also auch hier: erst abkühlen lassen, und etwas vorsichtig und am besten in einem Case transportieren. (Nein, in Watte einpacken braucht man auch einen Röhrenamp nicht, keine Sorge!)

Empfehlenswerte Röhrenverstärker

Amps zum Üben und Aufnehmen

Diese Verstärker machen auch zu Hause und im Studio Spaß, da sie durch die recht geringe Wattzahl schon bei etwas geringerer Lautstärke anfangen, zu Zerren.

Aber Vorsicht: Da die Wattzahl nur ein Teil der Gleichung ist, ist auch bei diesen kleinen Verstärkern eine gewisse Grundlautstärke nötig. Wer wirklich mitten in der Nacht im Schlafzimmer üben oder aufnehmen möchte, sollte auf einen Digitalamp wie den Yamaha THR 10  ausweichen.
Oder aber drauf achten, dass der Röhrenverstärker auch komplett ohne angeschlossene Box betrieben werden kann, wie z.B. der folgende Röhrenamp:

Hughes & Kettner Tubemeister 5

Der keine Röhrenamp hat es wirklich in sich.

Es handelt sich um einen Einkanaler, was erstmal eine nur geringe Flexibilität vermuten lässt. Aber wenn ein Verstärker nur fein genug reagiert, dann kann man aus ihm trotzdem alle nötigen Sounds rausholen. Das ist ja eben das tolle an Röhrenamps.

Hört Euch mal das Video an … hier wird vom Tester wirklich toll dargestellt, wie viele verschiedene Klänge und Zerrstufen man aus diesem kleinen Tubeamp rausholen kann.

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