Hals

Der Gitarrenhals ist das Bauteil, das wohl am meisten Einfluss auf das Spielgefühl einer Gitarre hat. Schon kleine Abweichungen entscheiden darüber, ob Du eine Gitarre gerne spielst oder nicht.

Allerdings spielt die Gewohnheit hier eine riesige Rolle.

Ich hatte mal zwei Gitarren – eine Fender Strat und eine Haar Strat. Beides tolle Gitarren, und sobald ich eine von ihnen eine Weile gespielt hatte, fand ich sie vom Spielgefühl ganz toll.

Das Problem: Sobald ich auf die jeweils andere Gitarre wechselte, fühlte ich mich durch die minimal anderen Hals-Dimensionen total unwohl.

Das ging ca. 1/2 Stunde, dann hatte ich mich wieder umgewöhnt. Da die Gitarre aber als Ersatzgitarren funktionieren sollten, habe ich eine von ihnen aus diesem Grund wieder verkauft. (Obwohl sie toll war…)

Gitarrenhals-Bauweisen

Skunk-StripeEin Gitarrenhals besteht entweder aus einem Stück Holz, oder aus Hals und Griffbrett.

Beim Gitarrenhals ohne Griffbrett sind die Bundstäbchen einfach in das „Halsholz“ eingelassen. Um in diesen Fällen bei E-Gitarren den Halsstab einsetzen zu können, wird auf der Rückseite des Halses ein Kanal gefräst. Dieser wird später wieder verschlossen, gerne mit dunklerem Holz. Dann spricht man vom sogenannten „Skunk-Stripe“, also dem „Stinktier-Streifen“, weil dieser Streifen entfernt dem Streifen auf dem Rücken eines Stinktiers ähnelt.

Gitarrenhals mit Griffbrett

In den meisten Fällen ist auf den Gitarrenhals ein extra Griffbrett aufgeleimt. Dies kann aus unterschiedlichen Hölzern sein – die immer schön hart sind. Das ist hier auch der große Vorteil: Der Gitarrenbauer kann aus klanglichen Gründen ein recht weiches Holz für den Hals wählen, aber durch ein hartes Griffbrett trotzdem für lange Haltbarkeit sorgen.

Einschichtiger oder mehrschichtiger Hals

Die meisten Hälse sind einteilig. Es gibt aber den Fall, dass der Hals aus mehreren Schichten Holz zusammengeleimt wird. Dies hat meist klangliche Gründe – hin und wieder vermutlich auch optische.

Halsstab

Halsstab-SchraubeEin Halsstab wird bei E-Gitarren und Westerngitarren verwendet. Bei Klassikgitarren ist er nicht nötig.

Der Grund dafür: E-Gitarren und Westerngitarren haben einerseits im Vergleich zu Klassikgitarren normalerweise einen dünneren und schmaleren Hals.

Gleichzeitig ist die Spannung der Stahlsaiten aber sehr viel höher als die Spannung der Nylonsaiten einer Klassikgitarre. Damit der Gitarrenhals dieser Spannung standhalten kann, ohne zu verziehen, wird ein Stahlstab eingelassen.

Dieser Stahlstab hat noch einen weiteren Vorteil: Er ist so gebaut, dass man mit Hilfe einer Schraube die Biegung des Halses einstellen kann. Genau: Ein Gitarrenhals ist nicht genau gerade, sondern er ist ganz leicht gebogen, damit die Saiten frei schwingen können, ohne auf die Bundstäbchen aufzuschlagen.

Profil / Querschnitt

Als Profil des Halses bezeichnet man die Form, die man erhält, wenn man ihn durchschneiden würde. Man spricht auch vom Querschnitt.

Um den Querschnitt eines Gitarrenhalses zu beschreiben verwendet man Buchstaben, denen das Profil des Halses ähnelt: C, D, V. Ein Hals mit einem V-Profil (ein sogenannter „V-Neck“) hat also auf der Rückseite eine „spitze Mitte“, die einem die Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger beim Greifen ausfüllt. Den gibt es häufig bei alten Strats.

Ein C-Hals hat auf der Halsrückseite eine gleichmäßige Rundung. Und ein D-Neck ist auf der Rückseite abgeflacht. Dieses Halstyp findest Du häufig bei Klassikgitarren oder „Flitzefinger-Gitarren“ von Ibanez.

Welchen Halsquerschnitt Du bevorzugst, ist reine Geschmacksache. Es gibt zwar durchaus Tendenzen, nach denen Blues-Gitarristen eher dicke Hälse mit runden oder V-förmigen Hälsen bevorzugen, und „Shredder“ und Heavy Metal Flitzefinger-Gitarristen eher flache Hälse mit breitem Griffbrett, wie Ibanez sie baut. Aber es gibt auch immer wieder Gegenbeispiele. Natürlich kann man auch mit einem dicken Hals schnell spielen, und natürlich kann man auch auf einem flachen Hals den Blues spielen.

Halsbefestigung

Hier gibt es drei Möglichkeiten, wie der Gitarrenhals am Korpus befestigt wird:

Geschraubter Gitarrenhals

Beim geschraubten Gitarrenhals wird der Hals mit Hilfe von einer, zwei, drei oder vier (der häufigste Fall) Schrauben am Gitarrenkorpus gefestigt. Der geschraubte Gitarrenhals wurde von Leo Fender eingeführt, als er mit der Telecaster ein preisgünstiges Gitarrenmodell einführen wollte, das quasi auch „von jedermann“ repariert werden kann.

Wenn bei einem geschraubten Gitarrenhals das Halsende richtig fest in der Tasche des Korpus sitzt, so steht ein geschraubter Hals einem geleimten hinsichtlich der Schwingungsübertragung in nichts nach. Allerdings trifft man immer wieder Gitarrenhälse, bei denen zwischen Hals und Korpus richtige Lücken klaffen. Es gibt auch hier Gitarristen, die das nicht stört … mich schon. Auch wenn es schwierig sein dürfte, das klanglich nachzuweisen, dass so eine Lücke nachteilig ist – ich finde das muss richtig gut sitzen. Lediglich bei wirklichen Einsteigergitarren ist es akzeptabel, denn hier haben anderen Bauteile in Einsteigerqualität einen größeren Einfluss auf den Sound, als möglicherweise so eine Lücke.

Geleimter Gitarrenhals

Bei Akustikgitarren und E-Gitarren vom „Gibson-Typ“, also Modelle in Richtung Les Paul, SG etc., und auch bei fast allen Jazzgitarren findet man geleimte Gitarrenhälse. Dies ist die herkömmliche und ursprüngliche Art, den Gitarrenhals fest am Korpus zu befestigen. Diese Befestigungsweise garantiert perfekte Schwingungsübertragung und sicheren Sitz.

Durchgehender Gitarrenhals

Auch das gibt es: Ein Gitarrenhals, der im Grunde gar nicht am Korpus befestig wird, sondern der vielmehr Teil des Korpus ist. Hier werden am Korpus rechts uns links zwei „Korpusflügel“ am durchgehenden Hals befestigt. Diese Herstellungsweise findet man heute eher selten, sie war allerdings in den 70er Jahren recht beliebt, und so findet man hin und wieder auf Ebay entsprechende Gitarren mit durchgehendem Hals.

Material für den Gitarrenhals

Klar, normalerweise besteht ein Gitarrenhals aus Holz. Aber hier gibt es verschiedene Holzarten, die verwendet werden, und die einen großen Einfluss auf den Klang der Gitarre haben. Ausserdem gibt es tatsächlich auch andere Materialen, aus denen Gitarrenhälse hergestellt werden können.

Holz

Ahorn (engl. Maple)

Ahorn ist ein typisches Holz für de Hals einer Fender Stratocaster. Es ist ein helles mit relativ wenig Maserung, und produziert einen recht höhenreichen Sound.

Palisander (engl. Rosewood)

Palisander ist ein dunkles, feinporiges Holz, das sehr gerne für Griffbretter, aber auch für ganze Hälse eingesetzt wird. Vom Klang her gehört es zu den wärmeren Hölzern.

Ebenholz

Ebenholz wird gerne für (hochwertige) Griffbretter verwendet. Es ist ein extrem hartes Holz, und auch teuer. Schon vom Rohstoff her, aber durch die Härte ist auch die Verarbeitung teuer.

Carbon

Gitarrenhals und Griffbrett aus CarbonJetzt wird es langsam spannend: Ja, es gibt auch Gitarrenhälse aus Carbon. Parker Guitars ist so eine Firma, die das etabliert hat. Sowohl als reine Carbonhälse, als auch eine Variante mit Holzkern. Also ein Holzkern mit Carbon ummantelt. Erstaunlich, wie gut das funktioniert.

Oberfläche des Halses

Bei der Oberfläche des Halses unterscheidet man zwischen folgenden Varianten:

Naturbelasserer Hals

Der naturbelassene Hals ist genau das – nicht lackiert oder geölt. Das hat zur Folge, dass er schon nach kurzer Zeit durch den Handschweiß verdreckt. Deshalb ist es eher unüblich, Gitarrenhälse naturbelassen zu spielen. Manche Gitarristen mögen aber diese extrem abgenutzte Optik, den solche Hälse schnell bekommen.

Manchmal bezeichnet man auch minimal und farblos geölte Hälse noch als naturbelassen.

Geölter / gewachster Hals

Dies ist eine mittlerweile immer beliebtere Variante: Beim geölten oder gewachsten Hals spürst Du die Poren des Holzes, und Du hast ein „erdiges, holziges“ Gefühl. Auch kannst Du wunderbar über das Holz gleiten, und Du bleibst nicht kleben. Trotzdem sorgt die Behandlung der Oberfläche mit Öl oder Wachs dafür, dass das Holz nicht austrocknet, und er nicht so schnell und nicht so stark durch den Handschweiß verdreckt.

Lackierter Hals

Auch die Variante des lackierten Halses ist sehr beliebt. Z.B. haben fast alls Gibson Gitarren eine lackierte Oberfläche. Ein lackierter Hals ist natürlich Dreck gegenüber am unempfindlichsten. Manche Gitarristen mögen aber das Spielgefühl nicht ganz so gerne, weil man etwas am Lack „klebt“. Das ist aber eher eine Empfindungssache als ein harter Fakt.

Welcher Hals ist am besten?

Diese Frage lässt sich nicht beantworten, da es hauptsächlich eine Geschmacksentscheidung ist. Allerdings sollte man als Anfänger Exoten wie unlackierte Hälse mit Rollsattel meiden. Ein normaler C- oder D-geformter Hals, geölt oder lackiert, mit normalem Griffbrett, damit kannst Du nichts falsch machen.

Pflege des Gitarrenhalses

Je nach Bauweise muss ein Gitarrenhals mehr oder weniger häufig gepflegt werden.

Hälse mit Palisander-Griffbrett

[easyazon_image align=“left“ height=“160″ identifier=“B0002OOMW6″ locale=“DE“ src=“https://www.gitarrenratgeber.de/wp-content/uploads/2015/11/41HrZcURz4L.SL160.jpg“ tag=“gitarrenratgeber-21″ width=“71″]Palisander mit seinen sichtbaren Poren trocknet im Laufe der Zeit aus. Besonders im Winter. Es ist also sinnvoll, einmal im Jahr die Saiten abzunehmen, und das Griffbrett mit einem Zitrusöl ([easyazon_cta align=“none“ identifier=“B0002OOMW6″ key=“small-orange“ locale=“DE“ tag=“gitarrenratgeber-21″])zu behandeln und zu reinigen. Das geht ganz einfach:

  1. Nimm die Gitarrensaiten ab
  2. Schnapp Dir ein Geschirrtuch aus Baumwolle und feuchte eine Stelle gut mit Zitrus-Griffbrettöl an. Damit reibst Du in einem Bund hin und her, von Bundstäbchen zu Bundstäbchen. In diesem ersten Schritt reinigst Du das Griffbrett erstmal gut. So arbeitest Du Dich Bund für Bund über den Hals.
  3. In einem zweiten Schritt gehst Du nochmals über den Hals, und trägst etwas mehr Öl auf. Nun lässt Du die Gitarre ca. eine Stunde ruhen, damit das Öl einziehen kann.
  4. Schnapp Dir das Geschirrtuch und reibe das überschüssige Öl, das nicht in das Griffbrett eingezogen ist, ab.
  5. Fertig. Du kannst Die Saiten wieder aufziehen und dich über die tiefbraune Optik Deines sauberen Gitarrenhalses und den frischen Zitrusduft freuen.

Ahorngriffbretter

Bei Ahorngriffbrettern oder Ahornhälsen ohne extra Griffbrett ist ein Behandeln mit Griffbrett-Öl nicht Ratsam. Die Poren sind nicht so offen wie beim Palisander, und das Griffbrett würde das Öl nicht aufnehmen.

Hier kannst Du das Griffbrettöl höchstens zum Reinigen nutzen, aber den zweiten Schritt des Einziehenlassens kannst Du Dir sparen.

Ebenso ist es bei Griffbrettern aus Ebenholz. Dieses ist so feinporig, dass das Öl kaum einzieht. Ich nutze es trotzdem, weil ich den Geruch und das saubere Gefühl sehr mag.

 

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